Es gibt so Situationen, die finde ich immer ganz schwer umzusetzen.
Dazu gehört das Thema Volljährigkeit. Pascal ist 18. Somit volljährig. Es gibt heutzutage keinen Vormund mehr, nur noch Betreuer. Das finde ich eigentlich auch total gut. Vormund hört sich furchtbar an. Betreuer schon wesentlich besser. Somit bin ich nun Pascals Betreuerin. Das heißt aber auch, ich darf ein paar Dinge, vieles darf ich nicht.
Nehmen wir mal das Beispiel Alkohol: Pascal ist volljährig. Somit kann er Alkohol trinken so oft und so lange er will. Es gibt keine Betreuung die ihm das verbieten kann. Erst dann, wenn das Alkohol trinken gesundheitliche Schäden hinterlässt, dann fällt es in den Bereich Gesundheit und ich darf ihm das reglementieren, aber auch nur dann, wenn ärztlich das nachgewiesen ist. Versteht Ihr das Dilemma ? Erst wenn er krank ist dürfte ich ihm sagen, er darf nicht mehr trinken. Dann ist das “Kind aber schon in den Brunnen gefallen”. Das er aber gar nicht fähig ist zu erkennen, was ihm wann schadet, das ist ein anderes Thema…. So ist es mit vielen Dingen…..
Schwer ist auch das Thema Arztbesuche: Pascal sieht auf den ersten Blick gesund aus. Wenn er also irgendwo einen Termin hat, gucken die Damen an der Rezeption schon mal schräg, das “Mama mitkommt” bei einem sooo großen Jungen.
Wenn ich dann noch mit reingehe, dann kommen auch schon mal Sprüche. Insofern ist es immer besser, dass Thema vorher abzuklären. Aber in der Praxis ist das extrem schwer: Entweder ich sage gleich an der Rezeption, daß Pascal Autismus hat und ich seine Betreuerin bin, dann steht er aber daneben und fühlt sich (mal wieder) unzulänglich. Oder ich schicke ihn schon ins Wartezimmer, dann fühlt er, daß ich was sage, das ihn betrifft, und wird unruhig und rennt im Wartezimmer hin- und her und das führt für ihn wieder zu einer unangenehmen Situation mit entsprechenden Blicken und Sprüchen.
Dann hatte ich eine zeitlang versucht, vorher am Telefon das schon mal zu er-klären mit dem Ergebnis, dass wirklich KEINE Praxis das am Termintag noch wusste. Also ich hatte denen erklärt, daß Pascal das genau mitbekommt, wenn ich über ihn spreche, dass ich deswegen vorab erklären möchte warum ich mit rein komme und sie mögen daß doch dem Arzt auch sagen…..nix wars…hat nicht geklappt ! In keinem Fall.
Genauso isses dann drin beim Arzt. Blöde Blicke oder Sprüche, Erklärungsnot meinerseits, Unruhe bei Pascal.
Nicht mit reingehen geht auch nicht, Pascal kann zwar sprechen, aber eine “echte” Kommunikation mit einem Arzt geht nicht. Er würde größtenteils “ja” oder “alles in Ordnung” sagen!
Das führt dazu, daß ich immer ein ungutes Gefühl habe, mi Pascal zum Arzt zu müssen. Egal wie man es dreht oder wendet, er wird immer das Gefühl haben, daß er anders ist und ich kann das nicht ändern.
In solchen Momenten, wo er mich dann oft auch verunsichert anguckt oder ganz unruhig wird, weil er die Gefühle nicht ausdrücken kann, in solchen Momenten frage ich mich manchmal ob es für ihn nicht besser wäre, man würde seine Behinderung ihm ansehen, wenigstens in solchen Situationen…..
Tja, Dienstag ist der nächste Arzttermin in einer fremden Praxis….drückt uns die Daumen…
In dem Sinne…….
habt eine schöne neue Woche
Eure Sabine mit Pascal